Von Pekinese bis Irish Wolfhound – die Vielfalt der Hunderassen

Klein oder groß, mit kurzem oder zotteligem Fell, mit spitzer oder flacher Schnauze, mit Jagdtrieb oder eher verschmust – Hunde gibt´s in vielen Formen und Farben. Vom Dackel über den Schnauzer bis hin zum Bernhardiner führen uns Vierbeiner eine Unterschiedlichkeit vor Augen, die beeindruckend ist. Wie aber läßt sich diese Rassevielfalt erklären?

Experten schätzen, dass aktuell weltweit etwa 800 Rassen unterwegs sind. Hierzu zählen allerdings allerhand Varietäten, hundeähnliche Tiere und Verwandte von Bello und Co, die mit unseren felligen Freunden wenig zu tun haben. Daher vertreten Genetiker die Ansicht, dass etwa 100 Haushunderassen existieren. Die Fédération Cynologique Internationale, die Vierbeiner systematisch in Gruppen einteilt, geht dagegen von momentan 343 lebenden Rassen aus. Welche Zahl auch immer tatsächlich richtig ist, die Vielfalt der Hunderassen ist erstaunlich.

Die Kieler Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen ist der Meinung, dass die Vielgestaltigkeit nicht in erster Linie die Folge von Züchtungen ist. Vielmehr sei die Domestikation die Ursache. Wenige Wölfe näherten sich dem Menschen an und begannen, in seiner Nähe zu leben. Bei den Paarungen dieser Exemplare wurde nur ein begrenzter Genbestand weitervererbt. Mutationen bedingten verschiedenste Merkmale wie beispielsweise kurze Beine oder eine weiße Fellfärbung. In der freien Wildbahn wäre diesen Tieren ein Überleben schwergefallen, dann wären diese Charakteristika nicht weitergegeben worden. Im geschützten menschlichen Umfeld dagegen vermehrten sie sich in allen möglichen Gestalten.

Der Zweibeiner wählte sich seinen felligen Begleiter nach gewünschter Eigenschaft aus, also nach Nutzen und Funktion. Charakterzüge wie ein besonders ausgeprägter Geruchssinn, Wachsamkeit oder aber Freundlichkeit bestimmten über Einsatz und Aufgabe des Vierbeiners und veranlaßten und lenkten die Weiterzüchtung.

Wann genau entstand nun die ausgeprägte Hundevielfalt?
Funde aus der Hallstattzeit, also zwischen 1200 bis 450 v. Chr., belegen eine uneinheitlich gewordene Population. Unterschiede in der Größe und Unterkieferbreite sowie erste Zahnanomalien verdeutlichen Änderungen der vierbeinigen Gestalt. Im antiken Rom wurden Fellnasen erstmals nach ihrer Verwendung in Gruppen eingeteilt: Wachhunde, Hirtenhunde, Jagdhunde. Im europäischen Mittelalter gab es etwa zwölf Rassen, vermuten Forscher. In germanischen Rechtssammlungen vom 5. bis zum 9. Jahrhundert werden sie benannt und ebenfalls in Gruppen eingeteilt, dazu gehören unter anderem der Spurihunt (Spürhund), der Winthund, der Schäferhund und der Hovawart.

Damit sich die edlen Jagdhunde nicht mit den ordinären Bauernhunden vermischten, wurde ab dem 13. Jahrhundert eine gezielte Jagdhundezucht betrieben. Dabei war das Aussehen zweitrangig, relevant war die Jagdfähigkeit. Im Laufe der Zeit wurden neue Rassen gezüchtet, insbesondere im 19. Jahrhundert wurde fleißig auf diesem Gebiet gearbeitet. Um die Rassen zu erhalten, wurden Rassestandards aufgestellt. Übrigens starteten Züchtungen in der Regel mit wenigen Tieren, so beim English Setter, dessen Zucht tatsächlich mit nur zwei Tieren begann.

Als die Arbeitskraft von Fifi und Hasso immer weniger gefragt war – im Laufe der Industrialisierung – wurden optische Merkmale wesentlicher. Durch das Wachstum der Städte wurden zunehmend kleine Schoß- und Haushunde gezüchtet.

Die Rassen unterscheiden sich genetisch. Zielgerichtet gezüchtete Vierbeiner zeigen ein spezielles Verhalten, das genetisch bedingt ist. Das betrifft zum Beispiel den Jagdtrieb von Terriern oder das Hüteverhalten von Shelties. Neue Studien ergaben, dass Hunderassen weltweit einen gemeinsamen, homogenen Genpool haben, der in zehn Typen unterteilt werden kann. Das unterschiedliche Äußere schreiben Wissenschaftler Veränderungen in der sogenannten junk-DNA zu, das ist der Teil der DNA, deren Funktion nicht bekannt ist.

Komplett geklärt sind Ursprung und Entwicklung des vielfältigen Erscheinungsbildes und der Differenzen im Wesen unserer felligen Freunde bis heute nicht.
Uns bietet sich im Wald, im Park, in der Hundeschule und auf der Straße ein buntes Bild verschiedenster Vierbeiner, das einfach nur unser Staunen hervorruft und als ein kleines Wunder betrachtet werden kann.

 

Quellen:
http://www.focus.de/wissen/natur/hunde/forschung/chihuahua-schaeferhund-und-mops-so-entstand-die-rassenvielfalt-der-hunde_aid_830309.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Hunderasse

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Eine Antwort auf Von Pekinese bis Irish Wolfhound – die Vielfalt der Hunderassen

  1. Das Thema hat mich auch beschäftigt. Es gibt ja viele Mischlinge, in denen auch ein Pekinese steckt. Meistens wissen die Hundebesitzer gar nicht, welche verschiedenen Rassen in ihrem Mischling vereint sind. Aber für die Erziehung unserer Liebsten ist das manchmal gar nicht so unwichtig :-)

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